Vom tabellenführenden Aufsteiger

Es mutet ein wenig wie ein Märchen an, wenn man die aktuelle Tabelle der 2. Liga Herren betrachtet. An der Tabellenspitze steht seit gestern abend der GTV Basel. Um zu verstehen, weshalb dieser Situation etwas märchenhaftes anhaftet, muss man die Zeit ein wenig zurückdrehen. Genauer gesagt ans Ende der Saison 2008/2009:

 

Der einst ruhmreiche GTV, der dem eigenen Verständnis nach in die 2. Liga, an guten abenden gar in die 1. Liga gehört hat die Saison als Tabellenvorletzter der 4. und somit tiefsten Liga abgeschlossen. Die Männerabteilung ist an einem Tiefpunkt angelangt. Der Vorstand steht vor einer folgenschweren Entscheidung: entweder man investiert in einen grundlegenden Neuaufbau im Männerbereich, oder man macht selbigen dicht. Zu hoch waren die Kosten, welche Bussen, nicht bezahlte Mitgliederbeiträge und Forfait-Niederlagen verursachten. Noch schlimmer war lediglich der Image-Verlust des Vereins.

 

Bald war klar, dass man zu kämpfen bereit ist und so legte man sich rasch darauf fest, welcher Trainer das Gesicht des Neuaufbaus sein soll: Dominik Bucher. Er, der selbst noch die goldenen Zeiten der Herrenabteilung aktiv miterlebt hatte, sollte nun die schwere Aufgabe übernehmen, aus den Trümmern der vergangenen Spielzeiten etwas neues aufzubauen. Und dies tat er.

 

Nach und nach kehrten ehemalige GTV-Spieler zu ihrem Stammverein zurück. Bereits im ersten Jahr gelang der Aufstieg in die 3. Liga. Parallel dazu begann man mit dem Aufbau einer neuen Juniorenabteilung.

 

Nun, 2 Jahre und einen weiteren Aufstieg später, findet man sich wieder dort, wo man sich am wohlsten fühlt: in der höchsten regionalen Spielklasse M2. In die Saison startete man mit einer gehörigen Portion Demut: nachdem der Aufstieg bereits ein Jahr früher als eingeplant realisiert wurde, fand man sich als Austeiger in Mitten gestandener Teams wieder. Inklusive zweier Absteiger aus der interregionalen 1. Liga. So konnte das Ziel nur Klassenerhalt heissen, auch wenn man im Falle eines Abstiegs nicht nervös geworden wäre. Man hätte es als Lehrjahr verbucht und sogleich den Wiederaufstieg angestrebt.

 

Nun aber steht man plötzlich auf dem 1. Platz. Nach einer denkbar knappen Niederlage im Heimspiel gegen den 1. Liga-Absteiger SG Wahlen/Laufen und einem deutlichen Heimsieg gegen den damaligen Tabellenführer TV Möhlin gelang dem Team nun ein Auswärtssieg gegen die SG Handball Birseck. Der Klassenerhalt dürfte damit gesichert sein.

 

Das grösste Kompliment gilt hierbei Dominik Bucher, welcher zuletzt häufiger als Pädagoge, denn als Trainer gefordert war. Die Mannschaft ist voller Potential und sportlicher Qualität, doch gleichzeitig ist sie unheimlich schwer zu trainieren. Weil er diesen Spagat geschafft hat und sich selbst dabei nicht in den Vordergrund gestellt hat, gebührt ihm höchste Anerkennung.

 

Nun gilt es, weiter diese Demut zu zeigen, welche die Mannschaft erst in diese Position gebracht hat. Der Aufsteig in die 1. Liga ist nicht das Ziel, dafür ist es zu früh. Vielmehr gilt es nun die hervorragende Ausgangslage zu nutzen, um die Nachwuchsspieler an die 1. Mannschaft heranzuführen. Befreit vom Druck des Nicht-Absteigen-Wollens sollen sie Gelegenheit haben, ihr Können auf ansprechendem Niveau zu zeigen und weiter zu entwickeln. Dies ist eine grosse Chance für die Junioren, die 1. Mannschaft und den ganzen Verein. Viele der Leistungsträger der aktuellen Mannschaft waren einst in derselben Situation, als sie von Nijaz "Pinio" Ruhotina als U19-Spieler in der 2. Liga eingesetzt wurden. Von dieser Weitsicht profitieren wir noch heute - sorgen wir dafür, dass wir das in 10 Jahren wieder sagen können.

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